Dietmar Fend – Neue Mittel zur Erkenntnis

 

Eröffnung: 21. März 2025 / 19 Uhr

Dauer: 4. Mai 2025

Öffnungszeiten: jeweils sonntags von 14 – 17 Uhr

Dietmar Fend ist ein Künstler und Maler, dessen Werk eine analytische Auseinandersetzung mit Raum und Räumen widerspiegelt. In seinen aktuellen Arbeiten erforscht er die Unendlichkeit der Linie und das stetige Weiterdenken jeder Zeichnung von der zweiten in die dritte Dimension. Seine Zeichnungen, die ich als „Konstruktionen“ bezeichne, entstehen auf hochwertigem Büttenpapier und basieren auf algebraischen und geometrischen Prinzipien wie Multiplikation, Spiegelung, Umkehrung und Rotation. Nummeriert wie Tagebucheinträge (aktuell bis #389), reflektieren sie einen prozesshaften Charakter und regen den Denkprozess von Künstler und Betrachter gleichermaßen an.

Während seine früheren Malereien wie die Landschaften und Städte an organisch gewachsene Installationen erinnern, schaffen seine aktuellen Zeichnungen, die Dietmar Fend seit 2009 fast ausschließlich quasi „exklusiv“ macht, eine differenzierte Räumlichkeit, die über die einer Plastik hinausgeht. Die Zeichnungen sind weniger auf ein fertiges Endergebnis ausgerichtet als auf den Entstehungsprozess selbst. Konstruktionen aus vertikalen, schrägen, diagonalen, waagerechten… Tuschelinien verleihen ihnen eine strukturierte Grundlage, welche den Charakter eines konstruktiven Vexierbildes erkennen lässt.

Die Diskussion um die Linie als zentrales Merkmal der Zeichnung ist tief in der Kunstgeschichte verwurzelt. Traditionell wurde die Linie als wesentliches Ausdrucksmittel verstanden, das die Zeichnung von der Malerei abgrenzt. Walter Koschatzky betonte, dass die Linie den „Inbegriff des Zeichnerischen“ darstellt, während Eugen Blume die Linearität als konstitutives Merkmal der Zeichnung auch in der Malerei definierte. Bereits Leonardo da Vinci erkannte in der Linie ein hochabstraktes Mittel der Erkenntnis, das zur Grundlage aller Künste erhoben wurde.

In D.Fends Arbeiten wird jedoch deutlich, dass „Zeichnung“ über die bloße Linie hinausgeht. Sie eröffnet ein Spannungsfeld zwischen Prozess und Ergebnis, Hell-Dunkel-Kontrasten und der Transformation von Raum. Damit stellt sie eine eigenständige künstlerische Auseinandersetzung dar, welche die traditionellen Grenzen von Zeichnung, Malerei und Skulptur hinterfragt und erweitert.

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